Wertschätzung regionaler Produkte ist Kernpunkt der Obstbaubranche

10.2.2020 Friedrichshafen. Landwirtschaftliche Themen machen derzeit Schlagzeilen. Erzeuger, Politiker und Verbraucher diskutieren leidenschaftlich rund um Artenschutz, Einsatz von Düngemitteln und Erhöhung der Bio-Produktion.

Auf der Pressekonferenz im Vorfeld der Fruchtwelt Bodensee (14. bis 16. Februar 2020) zeigt sich deutlich: Die Wertschätzung regionaler Produkte nimmt eine zentrale Rolle ein. Andreas Ganal, neuer Geschäftsführer des Verbandes Obstregion Bodensee, betont: „Unsere Landwirte stellen wunderbares Obst in bester Qualität her. Trotzdem greifen die Verbraucher oftmals zu Produkten aus dem Ausland auf Grund des günstigeren Preises.“

Beruhigung bringt indes die aktuelle Apfelernte mit einer durchschnittlich guten Menge von 250 000 Tonnen am Bodensee: Nach zwei schlechten Jahren für die Obstbauern am Bodensee mit großen Frostschäden im Jahr 2017 und einem ertragreichen Jahr 2018, das verbunden war mit sehr niedrigen Marktpreisen, erzielen Äpfel im deutschen Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahr einen um 12 Prozent höheren Ladenverkaufspreis (Stand Dezember 2019). Insgesamt lag die Einkaufsmenge deutscher Äpfel in den letzten Monaten durchgängig über dem Vorjahresniveau. Ein erneut hohes Niveau erreicht die Fruchtwelt Bodensee 2020 mit der Zahl von 384 Ausstellern aus 13 Nationen.

„Unabhängig von der wirtschaftlichen Branchensituation verzeichnen wir seit Jahren konstante Ausstellerzahlen. Das unterstreicht den Stellenwert, den die Fruchtwelt Bodensee in der Branche als bedeutende Plattform für Obstbauern, Landwirte und Brenner aus ganz Europa einnimmt“, betont Projektleiterin Petra Rathgeber. „Im Rahmenprogramm greifen wir die aktuellen Diskussionen auf, was sich zum Beispiel in unserem Talk zum Thema Biodiversität am Eröffnungstag mit diversen Interessensvertretern zeigt.“

Mit Spannung erwartet wird am Messe-Freitag auch der Auftritt von Landwirt Dr. Wilhelm Kremer-Schillings, der sich als bloggender „Bauer Willi“ und Begründer der grünen Kreuze einen Namen gemacht hat.

Die 39. Bodensee-Obstbautage werden in diesem Jahr maßgeblich vom Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) organisiert. Die Vorträge bieten einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit des KOB, wobei aktuelle Herausforderungen und Praxisbezug, aber auch Wissenswertes für die Allgemeinheit im Vordergrund stehen.

Neu ist in diesem Jahr die Präsentation von Start-Up Unternehmen auf einer Sonderschaufläche sowie mittels Vorträgen, in denen junge Firmeninhaber ihre Ideen und Produkte vorstellen.

Digitalisierung in der Landwirtschaft ist ebenfalls das Thema einer neuen Sonderschau: Welche Möglichkeiten bereits jetzt im Bereich Smart Farming realisiert werden, welche Chancen sich ergeben, aber auch welche Anforderungen an den landwirtschaftlichen Unternehmer der Zukunft gestellt werden, zeigen die Maschinenringe Tettnang, Linzgau und Lindau.

Bioproduktion im Zusammenhang mit Verbraucherverhalten

Ebenfalls viel diskutiert wird derzeit das Thema Bioproduktion. In Deutschland wurden im Jahr 2019 bei einem Gesamtertrag von 950 000 Tonnen Äpfeln 63 000 Tonnen Bio-Äpfel geerntet. Knapp 40 Prozent davon, nämlich 24 000 Tonnen, kommen vom Bodensee, was wiederum rund neun Prozent der insgesamt geernteten Menge an Äpfeln am Bodensee entspricht.

Das vieldiskutierte Eckpunktepapier des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg visiert 30 bis 40 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030 an.

Der Standpunkt von Andreas Ganal hierzu ist eindeutig: „Die Landwirte orientieren sich am Absatz. Wenn die Bevölkerung nach mehr Bioprodukten fragt, dann werden die Landwirte dem nachkommen. Die Höhe der Bio-Produktion entscheidet der Verbraucher an der Ladenkasse.“ Dies ist auch der Ansatz von Rainer Grimminger. Er ist Regionalmanager der Biomusterregion Bodensee und beschäftigt sich seit zwei Jahren mit der Stärkung und Vernetzung der Akteure.

Die Biowertschöpfungskette umfasst regionale Bauern, Verarbeiter, Händler aber auch Kantinenbetreiber und Konsumenten. Rainer Grimminger ist überzeugt: „Wenn die Wertschöpfungskette transparent ist und das Produkt ein Gesicht hat, erhöht sich der Bezug zum Produkt und die Bereitschaft des Verbrauchers steigt, das regionale Bio-Produkt zu einem angemessenen Preis zu kaufen.“

Preise und Öffnungszeiten

Die Fruchtwelt Bodensee ist vom 14. bis 16. Februar 2020 geöffnet; Freitag und Samstag von 9 bis 18 Uhr, Sonntag von 9 bis 17 Uhr. Die Tageskarte kostet 16 Euro, online 12 Euro. Weitere Informationen und einen Überblick zum Vortragsprogramm unter: www.fruchtwelt-bodensee.de

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