Stadtmuseum Memmingen zeigt Open-Air-Ausstellung „VerVolkt“

Sonntag, 16. Mai 2021

14.5.2021 Memmingen. Zum Internationalen Museumstag am 16. Mai: Ausstellung auf Martin-Luther-Platz öffnet – Beitrag zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 16. Mai 2021, zeigt das Stadtmuseum Memmingen die Open-Air-Ausstellung „VerVolkt“. Das Stadtmuseum beteiligt sich mit „VerVolkt – dieses Projekt kann Spuren von Nazis enthalten“ am Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Mit diesem Ausstellungsprojekt will das Stadtmuseum aufmerksam machen auf Antisemitismus in unserer Gesellschaft. Aufmerksam machen auf das, was nie wirklich weg war, sondern immer noch allgegenwärtig ist. Aber vor allem soll das Projekt erinnern. Erinnern an die Verfolgten und an die Opfer des Nationalsozialismus in Memmingen und dem Unterallgäu.

Die Open-Air-Ausstellung „VerVolkt“ auf dem Martin-Luther-Platz thematisiert von den Nationalsozialisten verfolgte Opfergruppen, Verbrechen und Schandtaten der NS sowie den aktuellen Rechtsradikalismus und Antisemitismus im Allgäu. Dabei sollen schicksalhafte Ereignisse der NS-Zeit zusammen mit aktuellen rechten Tendenzen zum Austausch, zum Erinnern und zur Diskussion im öffentlichen Raum anregen. Zugleich laden Erinnerungsboxen zur Partizipation ein. Mit QR-Codes sind dort auch Filme hinterlegt, die zusätzliche Informationen für die Besucher:innen bereitstellen.

Das Projekt „VerVolkt“ versteht sich als Teil einer Erinnerungslandschaft. Sie ist als Informationsgrundstock gedacht, der durch weitere Ausstellungsangebote und Veranstaltungen in der Stadt vertieft werden soll.
Das Stadtmuseum Memmingen ist entsprechend den aktuell geltenden Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschlossen. Sobald das Museum wieder öffnen kann, erwarten die Besucher:innen, weitere Projekte zum Thema: In Schicksalsberichten, Fotografien und Filmen werden vom Nationalsozialismus Verfolgte aus Memmingen und dem Allgäu betrachtet. Im Fokus stehen: Schicksalsberichte Memminger Jüd:innen; „Rassenschande“ auf dem Land; Verfolgte Kinder und Jugendliche; Berichte über Nachkommen von Verfolgten des Nationalsozialismus

Leo Hiemers Film „Kann Spuren von Nazis enthalten“ – bildet das Zentrum des Projekts, als Schnittstelle zwischen Stadt und Land, Verfolgten und Verfolgern, Gestern und Heute. Fotografien von Julius Guggenheimer und Zeichnungen aus dem KZ-Außenlager Kempten ermöglichen einen zusätzlichen Blick in die Vergangenheit.

Mit der Wanderausstellung „Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz“ wird das Ausstellungsprojekt abgerundet. Sie gibt Einblick in das Leben von Gabriele Schwarz. Fünf glückliche Jahre verbrachte das kleine Mädchen im Kreis einer Bauernfamilie, geliebt wie ein eigens Kind. Doch wie hunderttausende andere Kinder wurde auch Gabi ein Opfer des Rassenwahns der Nationalsozialisten. 1942 wurde ihre Mutter, eine Jüdin aus Augsburg, ermordet.

Ein Jahr später hieß es auch für die kleine Gabi Abschied nehmen von ihrer Allgäuer Heimat. Über das Zwischenlager München-Berg am Laim kam sie nach Auschwitz, wo sie an Ort und Stelle in der Gaskammer umgebracht wurde. In fünf Stationen kann man ihr Aufwachsen auf dem Bauernhof verfolgen. Fotos, Spiel- und Anziehsachen von Gabi sind zu sehen, in einer Hörstation wird ihr Schicksal nach dem Abschied von ihren Pflegeeltern erzählt, in einer Videostation erinnern sich Zeitzeugen an das kleine Mädchen. Die letzte Station ist dem Gedenken gewidmet, die überschrieben ist: „Gabi lebt solange wir uns an sie erinnern.“

Als Sammlungsprojekt „VerVolkt“ soll der Anfang eines partizipativen Aufarbeitungsprozesses sein, aber keine vollständige Ergebnispräsentation. Bringen Sie Erinnerungsstücke, Fotografien, Dokumente, Objekte, aber auch ihr Wissen und ihre Erinnerungen, sowie Ansichten und Zukunftsperspektiven zu diesem Thema ein, unter: stadtmuseum(at)memmingen.de. Im Herbst wird mit „VerVolkt II“ eine Ausstellung der Sammlungsergebnisse im Stadtmuseum präsentiert.

Ermöglicht wird dieses Projekt durch die Förderung des Bayerischen Kulturfonds 2021 „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ sowie die Unterstützung des Bezirks Schwaben.

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